Artist-in-Residence 2021

Artist-in-Residence
2021

Nezaket Ekici • Abrie Fourie • Tosin Otitoju

Akinbode Akinbiyi

Kurator

Akinbode Akinbiyi (*1946 in Oxford) ist ein Chronist des täglichen Lebens, der sich mehr für das Alltagsleben interessiert als für das Alltägliche. Seit Anfang der 1970er Jahre arbeitet er als Fotograf und Autor. Sein künstlerischer Fokus liegt auf den großen urbanen Ballungsräumen und Megastädten vor allem des afrikanischen Kontinents. Dabei bewegt er sich wie ein Spaziergänger auf Haupt- und Nebenstraßen durch den Alltag dieser Städte, durch ihre Einkaufszentren und Vergnügungseinrichtungen, um Aufnahmen zu machen, die die Lebendigkeit dieser konfliktbeladenen Räume gewissermaßen zum Klingen bringen. Akinbiyi richtet seine Aufmerksamkeit auf die Rituale alltäglicher Politik, Spiritualität und Menschlichkeit jenseits der glänzenden Oberflächen konstruierter Identitäten. Er sucht, bewusst oder unbewusst, nach Brüchen in unserem Alltagsleben. Seine Arbeiten werden weltweit ausgestellt und veröffentlicht. 2016 wurde er mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Zuletzt waren seine Arbeiten in einer monographischen Ausstellung im Gropius Bau Berlin zu sehen (07.02.-19.07.2020). Er lebt und arbeitet in Berlin.

Akinbode über seine Künstlerauswahl für die Operndorf-Residenz

 

Der Grundgedanke ist der eines ergebnisoffenen Gesprächs darüber, was Oper ist, was diese Kunstform in der kargen Landschaft der Sahelzone sein kann. Offene Stimmen, die sich zu Wort melden und ihre Ideen, Visionen und Vorstellungen darlegen. Gesang, Theater, komplizierte Szenarien, Körper, die sich in der Nachmittagshitze der staubigen, mit Steinen übersäten Pfade anmutig bewegen, performative Maskeraden, die sich mit Gesten zu straff gespannten Marionetten formen, die auf improvisierten Bühnen exquisit baumeln. Baobab-Bäume, die ihre Präsenz behaupten und die Anerkennung der unterirdischen Ströme und des nach oben strebenden Geflechts ihrer Äste fordern. Die Oper ist all dies und noch viel, viel mehr, ein umfassender Ausdruckswille, der sich aus unberechenbaren Quellen zusammensetzt.

Die Residenz in der Operndorf Afrika ist ein wesentlicher Aspekt dieser ständig andauernden Konversation, in der sich kreative Persönlichkeiten eng mit der unmittelbaren Umgebung, der Lebendigkeit der tief eingebetteten Sahelzone, auseinandersetzen. Auch dieses Engagement ist ergebnisoffen und kann sich in jede gewünschte Richtung entwickeln. Wichtig ist der Aufenthalt im Dorf, das Eintauchen in den Alltag der kleinen Gemeinschaft. Die Klinik, die Schule, die wenigen Bewohner, die in den großzügig angelegten Einzelhäusern leben.  Man fühlt sich rund, betritt ein großes, weitläufiges, flaches Amphitheater, die Wohneinheiten schauen sich aus der Nähe an.

Tierlaute, Vogelgezwitscher umhüllen das Rund, ziehen hinaus in die unmittelbare Landschaft, Felsen, spärliche Vegetation. Das sind die Grundlagen der Opernakkorde, die Anfänge kreativer Impulse, die im Idealfall die eingeladenen Bewohner einbeziehen sollen. Gespräche, die sich bis weit in die Nacht hinein fortsetzen, bis in die späten Stunden des Glücks und des Zufalls. Dann ist es still im Dorf, eine Stille, die immer noch nachhallt, die plötzlich im Morgengrauen in strahlenden Vogelgesang ausbricht und die Luft mit ihren Opernarien erfüllt.

Wenn das Gespräch auf Gegenseitigkeit beruht, wenn beide Seiten einander aufmerksam zuhören und die Ideen und Vorschriften des anderen aufnehmen, dann hat der Aufenthalt ein bestimmtes Ziel erreicht. Auf der einen Seite der unendliche Strom von Kreativität und Gestaltungswillen, auf der anderen Seite die aus der sahelischen Landschaft intensiv hervorgehenden, tief geschichteten Schichten von Resonanzen und offenen Opernakkorden. Eine Lebendigkeit, die denjenigen, der bereit ist, sich zu öffnen und hineinzuhören, überwältigend umarmt.

Nezaket Ekici

Nezaket Ekici (* 1970 in Kirsehir, Türkei) ist eine in Deutschland lebende und arbeitende Performancekünstlerin. Ekicis eindrückliche und energetische Happenings kombinieren Humor mit Momenten des Schmerzes und fordern stets eine hohe körperliche Ausdauer. Jeder Performance liegt eine Aufgabe zugrunde, die Ekici wieder und wieder versucht, bis sie ein gestecktes Ziel erreicht oder einen Grad der völligen Erschöpfung erreicht. Obwohl jede Performance im Voraus geplant ist, wirken sich Faktoren, die außerhalb der Kontrolle der Künstlerin liegen, auf ihre Realisierung aus, um dem Risiko und der Möglichkeit des Scheiterns einen Platz einzuräumen. Ekicis Videos, Installationen und Performances verbinden kontroverse Inhalte mit einer ästhetisierenden Darstellung. Dabei spielt das Spannungsfeld zwischen ihrer türkischen Herkunft und Erziehung auf der einen und ihrem Lebensumfeld in Deutschland auf der anderen Seite eine zentrale Rolle.

Nach ihrem Abschluss in Bildhauerei an der Akademie der schönen Künste in München studierte sie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig und schloss ihr Meisterschülerstudium 2004 unter ihrer Professorin Marina Abramovic ab. Ihre erste Retrospektive hatte sie 2011/12 am Marta Herfrod. Sie war 2013 Stipendiatin in der Kulturakademie Tarabya in Istanbul und 2016 Stipendiatin der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. 2018 erhielt sie den Paula Modersohn-Becker-Kunstpreis, 2020 wurde Sie für das Kulturaustauschstipendium des Berliner Senats für die Teilnahme am Residenzprogramm des ISCP in New York ausgewählt. Neueste Einzelausstellungen fanden unter anderem im Haus am Waldsee, Berlin (2015), der Villa Massimo, der KAS Foundation Berlin (beide 2017) und im Neuen Kunstverein Gießen (2020) statt.

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Nezaket über ihre Teilnahme an der Operndorf-Residenz

 

Ich finde Afrika sehr  faszinierend. Ich hatte bereits die Gelegenheit, in Ghana und Nigeria künstlerische Projekte zu Themen wie Essen, Religion und Tanz zu entwickeln.
Umso mehr freue ich mich nun mit Burkina Faso ein neues afrikanisches Land, die Menschen, die Kultur aber vor allem auch das Operndorf kennenzulernen.

Während meines Aufenthaltes im Operndorf möchte ich vor Allem mit den Menschen vor Ort arbeiten. Es ist für mich eine tolle Möglichkeit, einen Blick in die Schule und das Krankenhaus zu werfen. Es wäre wundervoll, den Kindern, Mitarbeitern und auch nach Möglichkeit mit den Patienten Workshops durchzuführen und mit Ihnen gemeinsam eine Performance zu entwickeln.
Ich bin sehr neugierig auf die Kulturszene von Burkina Faso. Gerne würde ich mit lokalen Designern Kostüme entwerfen und erstellen, andere Performance-Künstler kennenlernen, mich mit bildenden Künstlern, Tänzern austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln.
Ich danke der Organisation und Verantwortlichen des Operndorfs sehr für diese Gelegenheit!

Abrie Fourie

(*1969 in Petroria) ist ein südafrikanischer Fotograf. In Petroria geboren, hat er dort studiert und gearbeitet, bis er 2007 nach Deutschland emigrierte. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Neben seiner fotografischen Arbeit betätigt sich Fourie als Kurator und Dozent, beispiels­weise ist er seit 2005 Kurator des Modern Art Projects South Africa map-southafrica.org.

Fouries Werk zeichnet sich durch seine dokumentarische, spontane sowie nüchterne Annäherung an Alltagsmo­mente und Gegebenheiten aus. Zahlreiche seiner Fotografien haben den Anschein von Schnappschüssen; andere zeigen menschenleere Orte in ihrem nackten Dasein. Fourie findet einen Reiz in den plastischen Qualitäten seiner Motive, die, obgleich leblose Objekte, stets eine individuelle Gestalt präsentieren.

Einzelausstellungen seiner Werke wurden unter Anderem im Museum for African Art, New York (2004) und where-we-r.com, Forum d’art Contemporian, Sierre, Schweiz (2006). Neuere Aussstellungen behandeln das Langzeitprojekt OBLIQUE, gezeigt im Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2012); der Johannesburg Art Gal­lery, Südafrika (2012); dem Iwalewhaus in Bayreuth (2012); SCAD, Atlanta (2014) und Fried Contemporary in Pretoria (2016).

 

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Abrie über seine Teilnahme an der Operndorf-Residenz

Tosin Otitoju

Tosin Otitoju (* in Lagos) ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Bloggerin. Neben der Publikation von zahlreichen Gedichtsammlungen und Kurzgeschichten hat sie den Roman „Three Sisters“ veröffentlicht, der vom Leben dreier Frauen auf dem Lande handelt. Außerdem ist sie seit 2002 an mehreren Theaterproduktionen beteiligt, sowohl als Schauspielerin vor und als Kostümassistentin hinter der Bühne. Seit 2004 hat sie mehrere Blogs ins Leben gerufen, darunter auch für ihre anderen Leidenschaften; Mathematik und Lehre. 2011 war sie Stipendiatin der Ebedi International Residency. Sie lebt und arbeitet hauptsächlich in Lagos.

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Tosin über ihre Teilnahme an der Operndorf-Residenz

 

Während der Residenz hoffe ich, Projekte für die nahe Zukunft entwickeln zu können, vor allem Gedichte für meine nächste Sammlung mit dem Titel „Velvet“, in dem ich Ästhetik und Textur reflektiere, sowie einige Kapitel des Romans „YA“, der von den Leben vier Jugendlicher von Heute handelt. Ich hoffe sehr, dass ich die Kinder und die umliegende Bevölkerung an meiner Arbeit beteiligen kann, und würde gerne die Möglichkeiten der Bibliothek im Operndorf erkunden. Vielen Dank für die Einladung ins Operndorf! Ich freue mich schon sehr darauf.

Die Künstlerresidenz Jahrgang 2021 entstand mit freundlicher Unterstützung durch: