Artist-in-Residence

Das Artist-in-Residence Programm

Das Programm

Das Artist-in-Residence-Programm im Operndorf Afrika ist das erste Künstler-Residenz-Programm in Westafrika und wurde Ende 2015 im Operndorf Afrika etabliert. Es lädt nationale und internationale KünstlerInnen ein, das Operndorf Afrika als Lebens- und Arbeitsraum zu nutzen. Begleitet wird das Residenzprogramm in Burkina Faso von regelmäßig stattfindenden Events in Europa. In diesen Veranstaltungsreihen soll aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen ein kritischer Diskurs über die Möglichkeiten interkulturellen Austauschs geführt werden, verbunden mit dem Ziel, Visionen und Potenziale für das Operndorf Afrika zu entwickeln.

Christoph Schlingensief selbst konkretisierte bereits 2010 die Idee eines internationalen Künstleraustausches. Er hatte den Wunsch, ein Stipendienprogramm zugunsten junger KünstlerInnen für Recherche- und Arbeitsreisen ins Operndorf Afrika zu initiieren.

»Keine unmögliche Idee, die nur des Profites wegen entstehen soll, sondern
die Idee, Afrika offiziell zu beklauen und dazu den eigenen Körper als Informationsträger mitzunehmen und einzusetzen. Kein goethereisender Kunstschnösel, der den Afros mal zeigt, was deutsche Kultur so alles kann, sondern ein blasses europäisches Blatt, das sich zur weiteren Belichtung nach Afrika begibt.«
Christoph Schlingensief

Die Grundidee des Operndorfs beruht dementsprechend seit seiner Konzeption nicht nur auf einer Veränderung der Lebens- und Alltagswirklichkeit der Menschen vor Ort. Das Operndorf Afrika wurde als kulturelle Begegnungs- und Experimentierstätte für KünstlerInnen aus Burkina Faso und anderen Ländern angelegt. Sie sind eingeladen, dort gemeinsam Inszenierungen zu erarbeiten, zu proben und aufzuführen – mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ebenso wie mit Kindern und Laien. Es versteht sich in diesem Sinne als länderübergreifendes Kunstprojekt mit der Vision Joseph Beuys’, Kunst wieder mitten im Leben anzusiedeln. So werden auch KünstlerInnen verschiedener inhaltlicher oder medialer Ausrichtung parallel eingeladen und aufgefordert, sich mit dem Ort auseinanderzusetzen –  im besten Fall im Austausch miteinander und sich gegenseitig inspirierend.

Im Gegenzug soll dieser Prozess beobachtet und dokumentarisch festgehalten werden, um so, im Sinne Christoph Schlingensiefs, von Afrika zu lernen. Ihm ging es dabei um den Einfluss des fremden Ortes, darum, dort fremde Dinge zu entdecken und sie mit dem Eigenen, dem Vertrauten zu kreuzen, um auf diese Weise eine Rückkopplung des europäisch geprägten Zugangs zur Kunst zu schaffen.

Das Operndorf Afrika soll als Plattform fungieren. Es geht nicht allein darum, dass die Menschen vor Ort Kunst schaffen oder Kunst leben. Anliegen ist es vielmehr, durch das Artist-in-Residence-Programm einen Ort des Transfers, einen Umschlagplatz zu schaffen. Kunst soll dabei als direkte Sprache der Auseinandersetzung verstanden werden und im besten Fall dazu beitragen, das westliche Bewertungssystem und die gängigen, oft exotisierenden Bilder von Afrika zu hinterfragen. Die Umgebung Operndorf, die Kultur, die Menschen und deren Kunstverständnis sollen den Ausgangspunkt für eine solche Auseinandersetzung bilden.