Fokus Bildung

 
Foto: Chris Wawrzyniak
Foto: Marie Köhler
Foto: frieder schlaich
Foto: frieder schlaich
Foto: frieder schlaich
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Foto: francois ouédraogo

DAS BILDUNGSPROGRAMM DER
OPERNDORF GRUNDSCHULE

Im Oktober 2011 wurde der erste Projektbaustein des Operndorf Afrika, eine Grundschule mit angeschlossener Kantine, eröffnet. Zusätzlich zu den Klassenräumen ist die Schule mit einem Tonstudio, einem Filmvorführraum, Lehrerwohnhäusern und Büros ausgestattet. Mit dem Schuljahr 2016/2017 wurde die maximale Auslastung von sechs Klassen mit insgesamt 300 Kindern erreicht. Die LehrerInnen der Operndorf Schule sind im Staatsdienst und werden durch das Bildungsministerium Burkina Fasos finanziert – dies ist ein wichtiger Aspekt um die Nachhaltigkeit des Projekts zu gewährleisten.

Die Ausgangssituation

Bisher sieht das allgemeine Grundschulsystem in Burkina Faso wenig Raum für Kreativität in den Lehrplänen vor. In burkinischen Grundschulen wird klassischerweise frontal unterrichtet. Die Klassenstärke liegt in Burkina Faso durchschnittlich bei 94 Kindern, der Mädchenanteil bei nicht mal 20 Prozent. Landestypische Schulen in Burkina Faso sind Betonbauten mit Wellblechdach, eine Kombination, die bei 40 Grad Außentemperatur in Hitzeperioden schnell ein Raumklima von über 30 Grad erzeugt.

Die Schwerpunkte
des Operndorf Konzepts

Bereits bei der Architektur der Operndorf-Schule wurde Wert darauf gelegt, mittels eines speziell entwickelten passiven Belüftungssystems angenehm kühle Räume zu schaffen. Die Dachkonstruktion aus einem Doppeldach, typisch für die Bauweise des Architekten Francis Kéré, ermöglicht zudem Luftzirkulation in den Räumen. Die Schule des Operndorf Afrika ist eine staatlich anerkannte Schule, die allen Kindern in der Umgebung kostenfrei zugänglich ist. Die Klassenstärke der Operndorf Schule überschreitet die Zahl von 50 Kindern nicht, um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Das Arrangement der Tische und Bänke unterstützt gemeinsames Arbeiten.

Eine Reformbestrebung des Projektes ist es, den Mädchenanteil in der Schule zu erhöhen. Dies geschieht auch durch das Einbinden der Mütter in den strukturellen Ablauf des Schulalltages, beispielsweise durch das Bewirtschaften der Kantine, und soll bald durch geplante Alphabetisierungskurse für die Eltern ergänzt werden. Hierdurch soll das Grundverständnis für die Wichtigkeit der Schulbildung bei der lokalen Bevölkerung erhöht werden. Die Schule schult im Gegensatz zu allen anderen Grundschulen in Burkina Faso seit ihrer Eröffnung in 2011 konsequent 50% Mädchen ein.

»Ich fordere uns alle auf, unsere Vorstellungen von Kunst über Bord zu werfen
und in den Reichtum eines solchen Ortes zu investieren. Mit der Schule fangen
wir an. Sie soll das Zentrum sein. Was für eine Kunst, wenn uns Kinder
und Jugendliche, die einen Unterricht besuchen können, an ihrem Wissen
teilnehmen lassen!«
Christoph Schlingensief

Der künstlerische
Schwerpunkt

Das Schulkonzept verfolgt einen künstlerischen Schwerpunkt: Neben den klassischen Fächern wird die filmische, musikalische und darstellende Kreativität der Kinder gefördert. Zu diesem Zweck steht ein Filmvorführraum zur Verfügung, der auch für Musik- und Bewegungsworkshops genutzt wird. Schuldirektor Abdoulaye Ouedraogo hat eine theaterpädagogische Ausbildung genossen. Er hat die LehrerInnen, die im Operndorf Afrika unterrichten, über die letzten Jahre fortgebildet und unterrichtet die 300 Schulkinder mit einem Team aus sechs LehrerInnen. Extraschulische Angebote in Form von regelmäßigen Workshops burkinischer KünstlerInnen, Atelierbesuche und feste Kooperationen zu Filmhochschulen und Tanzstudios ergänzen den staatlichen Lehrplan. Dieses Angebot, das auch in Kooperation zum Goethe Institut und diversen lokalen Kultureinrichtungen entsteht, richtet sich neben den Schulkindern auch an die Jugendlichen der Umgebung.

Das burkinische Bildungsministerium betont den Vorbildcharakter des Schulmodells und diskutiert das Modell innerhalb einer geplanten Bildungsreform. Auch die UNESCO ist auf das Modell der Schule aufmerksam geworden und belegt in zwei Studien in Zahlen ihren Erfolg: eine Schulabbruchquote von unter einem Prozent und deutlich weniger Fehlzeiten als in allen anderen Schulen des Landes – damit liegen die Ergebnisse der Operndorf-Schule deutlich über dem Landesdurchschnitt.