Was hat Salzburg noch zu bieten, außer Festspiele?

Salzburg ist im Sommer vor allem für die Festspiele bekannt. Doch abseits der großen Bühnen findet eine andere – nicht weniger relevante – Art von künstlerischer Auseinandersetzung statt: die Internationale Summeracademy of Fine Arts. Dank der gemeinsamen Kooperation konnten wir einen dreiwöchigen Workshop ermöglichen, in dem sich eine internationale Gruppe von Künstler:innen mit Fragen auseinandersetzen konnte, die auch für unsere Arbeit zentral sind: Wie können wir zusammenleben? Welche Grenzen trennen uns und welche davon tragen wir selbst in uns? Ausgangspunkt des Workshops waren Fragen zu Kolonialismus, Grenzen und gesellschaftlichem Zusammenleben. Welche Grenzen werden uns auferlegt, welche schaffen wir selbst? Und wie können wir miteinander verbunden bleiben, während wir bestehende politische, soziale und institutionelle Strukturen hinterfragen? In diesem Sinne knüpfte das Projekt an eine Idee an, die auch das Operndorf Afrika prägt: Kunst als Ort der Begegnung und des gemeinsamen Denkens. Nicht nur auf einer Bühne, sondern mitten im Alltag. Nicht als fertige Antwort, sondern als Möglichkeit, Fragen gemeinsam zu stellen und neue Formen des Miteinanders auszuprobieren. Und sich wohlmöglich auch zu streiten.

Die Ergebnisse des Workshops wurden deshalb auch bewusst nicht in einem klassischen Theater- oder Ausstellungsraum präsentiert. Parks, Straßen und sogar Supermärkte in Salzburg wurden zu temporären Bühnen. Denn Kunst muss auch dorthin gehen, wo Menschen sind. Gerade dann, wenn der Zugang zu kulturellen Räumen nicht für alle selbstverständlich ist, wenn Eintrittspreise, soziale Barrieren oder das Gefühl, „nicht dazuzugehören“, Menschen von Kulturinstitutionen fernhalten, wird der öffentliche Raum zu einem wichtigen Ort für künstlerische Begegnung. Kunst im öffentlichen Raum kann Schwellen abbauen. Sie begegnet Menschen dort, wo sie ihren Alltag verbringen, und eröffnet die Möglichkeit, Kunst zu erleben, ohne dafür erst eine Tür, eine Kasse oder eine institutionelle Grenze überwinden zu müssen. Dabei bleibt es den Passant:innen überlassen, stehen zu bleiben, zuzuschauen, weiterzugehen oder selbst Teil der Performance zu werden.

Mit den performativen Interventionen wurde also der öffentliche Raum für einen Moment verändert und zu einem Ort der Begegnung. Dabei ging es um die Frage, wie Verbindung entstehen kann – durch Zuhören, gemeinsame Bewegung, Teilen, Aufmerksamkeit und gegenseitige Präsenz. Grenzen wurden nicht nur als politische oder geografische Linien betrachtet, sondern auch als soziale und persönliche Erfahrungen, die unseren Alltag und unsere Beziehungen prägen. Was in Salzburg entstanden ist, versteht sich damit auch als ein kleines Experiment dessen, was das Operndorf Afrika immer wieder versucht: Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, Unterschiede sichtbar werden und neue Formen des Zusammenlebens entstehen können. Räume, die nicht nur für einige wenige zugänglich sind, sondern sich öffnen, in den Alltag hineinwirken und Begegnung ermöglichen.

Ein großes Dankeschön geht an die Workshopleiter Taiwo Ojudun, Enechukwu Uche, Damilola Orukotan und an die beteiligten Künstler:innen Christoph Lammars, Alma Mariana Camara, Busayo Olowu, Camilla Prey, Franzisca Zauner, Kasra Ghaffari und Morten Almass für ihre Offenheit, ihre Energie und die gemeinsame künstlerische Arbeit. Ebenso danken wir  Martina Berger-Klingler sowie dem gesamten Team der Summer Academy of Fine Arts Salzburg für die großartige Zusammenarbeit und die tolle Kooperation. Unser besonderer Dank gilt außerdem Paul Feigelfeld vom Mozarteum Salzburg für die Unterstützung der Präsentation. Und nicht zuletzt danken wir dem Land Salzburg für die Finanzierung des Projektes, die diese Zusammenarbeit und die künstlerische Forschung ermöglicht hat.

Beitragsbild © Mira Turba / Summeracademy Salzburg

Alle anderen Fotos © Zeynep Fırat