Akinbode Akinbiyi auf der Biennale von Venedig 2026

Mit der  61. Internationale Kunstausstellung der Biennale von Venedig richtet sich der Blick der internationalen Kunstwelt in diesem Jahr stärker denn je auf afrikanische Perspektiven. Dreizehn afrikanische Länder präsentieren eigene Pavillons, vier Staaten sind erstmals vertreten. Die von Koyo Kouoh konzipierte Ausstellung In Minor Keys steht dabei für neue Narrative, kollektive Erinnerung und die Frage, wer kulturelle Geschichten erzählt. In Venedig wird damit nicht nur ein geografisches Spektrum erweitert, sondern auch ein institutioneller Raum neu verhandelt. Die Biennale wird in diesem Jahr zu einem Ort, an dem sich globale Machtverhältnisse in der Kunst sichtbarer denn je zeigen und zugleich infrage gestellt werden. Afrikanische und diasporische Positionen sind nicht länger Ergänzung, sondern prägende Kraft innerhalb der kuratorischen Struktur.

In diesem Kontext freut es uns besonders, dass unser Kurator Akinbode Akinbiyi in diesem Jahr mit Arbeiten auf der Biennale vertreten ist. Seine Präsenz steht für eine künstlerische Praxis, die sich nicht auf Repräsentation beschränkt, sondern aktiv an der Erweiterung von Diskursräumen beteiligt ist – zwischen lokalen Kontexten und internationalen Institutionen. Diese Perspektive ist eng verbunden mit unserer Arbeit: Wir verstehen Kunst dort nicht als abgeschlossenen Ausstellungsraum, sondern als gesellschaftlichen Prozess, der Beziehungen schafft, Wissen teilt und neue Formen des Miteinanders erprobt.

Im Zentrum unseres Artist-in-Residence-Programms steht daher der direkte Austausch zwischen internationalen Künstler:innen und lokalen Communities in Burkina Faso. Diese Zusammenarbeit folgt keinem Top-down-Prinzip, sondern basiert auf gegenseitigem Lernen und einem offenen, oft auch experimentellen Prozess. Kunst wird hier als etwas verstanden, das sich aus Begegnung entwickelt,  nicht aus Distanz.

Die diesjährige Biennale macht deutlich, wie sehr sich solche Ansätze auch im globalen Kunstsystem verankern. In Minor Keys verschiebt den Fokus weg von der Idee einer zentralen Erzählung hin zu einer Vielstimmigkeit, die Widersprüche, Brüche und unterschiedliche Erfahrungsräume bewusst zulässt. Damit wird die Ausstellung selbst zu einem Raum des Aushandelns, nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch und institutionell. Für uns ist diese Entwicklung eng mit unserer eigenen Praxis verbunden. Die Teilnahme von Akinbode Akinbiyi in Venedig verweist auf eine Haltung, die Kunst als relationalen Prozess versteht, als etwas, das nur im Zusammenspiel entsteht: zwischen Künstler:innen, Kontexten und Communities. Die Biennale von Venedig zeigt in diesem Jahr sehr deutlich, was wir im Operndorf Afrika seit vielen Jahren versuchen zu denken und zu praktizieren: dass neue kulturelle Narrative nicht durch reine Sichtbarkeit entstehen, sondern durch Beziehungen, durch geteilte Prozesse und durch Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt verhandelt werden können.

Beitragsbild: © Akinbode Akinbiyi, Ouagadougou, Burkina Faso; 2021