Fokus Nachhaltigkeit

Die Grundsätze unserer Arbeit

Foto: omar ouedraogo
Foto: chris wawrzyniak
Foto: Omar OUedraogo
Foto: Sibylle Dahrendorf
Foto: sibylle dahrendorf
Foto: Severin Sobgo
Foto: omar ouedraogo

Soziale und ökologische
Nachhaltigkeit

Uns ist es wichtig Arbeitsplätze vor Ort im Operndorf Afrika für die lokale Bevölkerung zu schaffen und die heimische Wirtschaft Burkina Fasos zu unterstützen. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir keine Aufträge an ausländische Partner vergeben, die gleichwertig auch lokal erbracht werden können. In diesem Sinne nehmen wir auch keine Sachspenden für Produkte und Materialen an, die in gleicher Form vor Ort bezogen und eingekauft werden können.

Ein Schwerpunkt der Kooperation zwischen den Initiatoren des Projekts und der lokalen Bevölkerung ist es wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren. Wir versuchen daher bei allen unseren Projekten darauf zu achten, einen partnerschaftlichen Ansatz zu gewährleisten und die Kollaborateure so einzubinden, dass sie auch nach Beendigung unseres Engagements die Projekte gleichwertig fortführen können. Die Basis dafür ist eine aktiv gelebte Kooperation mit der Regierung von Burkina Faso, die ebenso wie die Festspielhaus Afrika gemeinnützige GmbH verpflichtet ist, ihren Anteil an diesem Projekt zu erbringen. Diese Kooperation wurde bereits 2010 durch Christoph Schlingensief und den damaligen Kultusminister Burkina Fasos Philippe Sawadogo vertraglich geregelt. In diesem nachhaltigen und ganzheitlichen Sinne sind die Schule und die Krankenstation, anders als in vielen anderen Hilfsprojekten, in der Trägerschaft der Regierung Burkina Fasos, welche die Gehälter der Angestellten zahlt.

Das Projekt soll langfristig in die Souveränität seiner Bewohner übergehen – ein wichtiger Bestandteil des 2010 geschlossenen Kooperationsvertrages mit dem Land Burkina Faso und ein Prozess der bereits eingeleitet ist. In Teilen ist das Projekt bereits jetzt in der Trägerschaft des Landes Burkina Faso, spätestens im Jahr 2030 wird sich die Festspielhaus Afrika gemeinnützige GmbH aus dem operativen Geschäft gänzlich zurückziehen und das Projekt an das Land Burkina Faso übergeben haben.

Wir sehen uns in der sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern im Operndorf Afrika, daher sind alle unsere Mitarbeiter krankenversichert. Krankenversicherungen für Angestellte sind leider aufgrund der damit verbundenen hohen laufenden Kosten immer noch eine Ausnahmeerscheinung in Burkina Faso und gehören nicht zum Standard eines Anstellungsverhältnisses.

Wir bemühen uns in allen Projektabschnitten vor Ort Strukturen zu schaffen, die Aus- und Weiterbildung ermöglichen. Bereits während der Konstruktionsphase der Gebäude im Operndorf Afrika legten wir großen Wert auf die Vermittlung von Wissen über die fachgerechte Verwendung der Materialien und über Bautechniken an die lokalen ArbeiterInnen. Die Operndorf-Grundschule hat seit ihrer Eröffnung in 2011 ein Teach-the-Teacher-Programm implementiert, das den staatlich anerkannten LehrerInnen unserer Schule eine kunstpädagogische Weiterbildung garantiert. In der Krankenstation finden neben den Gesundheitsschulungen für die lokale Bevölkerung auch Weiterbildungsangebote für das Personal statt. Diese Angebote werden durch unsere Kooperationen mit internationalen Partnern ermöglicht.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Stärkung der Frauenrechte, beginnend mit der konsequenten Einschulung von 50 Prozent Mädchen in der Schule im Operndorf Afrika – entgegen der landesdurchschnittlichen 20 Prozent. Auch bei der Wahl unseres Personals achten wir auf eine gleichwertige Einstellung von Frauen.

Ökologische
Verantwortung

In 2015 wurde eine leistungsstarke Solaranlage im Operndorf Afrika installiert, deren Anschaffungskosten sich nicht, wie in der westlichen Welt üblich, über das Einspeisen der Stromüberschüsse in das lokale Stromnetz amortisieren. In Burkina Faso kann derzeit noch kein Strom eingespeist und angekauft werden. Das bedeutet, wir sind gezwungen, unseren über den Eigenbedarf hinaus gewonnenen Strom kostenfrei in das burkinische Stromnetz einzuspeisen. Nichtsdestotrotz haben wir uns aufgrund unserer ökologischen Verantwortung für diese Technologie entschieden und hoffen, damit Teil einer öffentlichen Debatte über Grüne Energie in Burkina Faso zu sein.

Im Kontext der ökologischen Nachhaltigkeit des Operndorf Afrika versuchen wir, den Müll vor Ort zu trennen und so umweltbewusst wie möglich zu entsorgen. Recycling und Mülltrennung sind in Burkina Faso noch unzureichend erarbeitete Konzepte und Systeme. Wir versuchen dennoch, vertretbare Wege des Recyclings zu leben und aufzuzeigen. Dazu gehören das Kompostieren, das Trennen von Plastik und Restmüll und, ganz elementar, das gemeinsame Aufräumen der Schule mit den Kindern – denn ein Umweltbewusstsein lässt sich nur ansprechen, wenn es gesetzt worden ist.

Wir haben uns gemeinsam mit unserem Architekten Francis Kéré für eine nachhaltige Form des Bauens entschieden. Das heißt, lokal verfügbare Rohstoffe wie Lehm, Sand und Stein werden vorrangig unter Einbezug traditioneller Bauweisen verarbeitet. So können die Menschen vor Ort die Projekte eigenständig aufbauen und diese anschließend reparieren. Durch die von Francis Kéré mehrfach ausgezeichnete Belüftungstechnik, welche die Gebäude auf natürliche Art und Weise belüftet und kühlt, verzichten wir im Operndorf Afrika gänzlich auf stromverbrauchende Klimaanlagen und Ventilatoren. Unsere Bauwerke sind dank der Architektur von Francis Kéré deutlich hochwertiger als die landestypischen Gebäude in Betonbauweise – sie sind aber auch teurer. Unsere bisher 23 realisierten Gebäude sind dafür deutlich langlebiger und erzeugen ein Raumklima, in dem man sich gern aufhält, lebt und lernt.

Nachhaltige Ansätze in
unseren Konzepten

Das künstlerische Konzept unserer Operndorf-Schule scheint Schule zu machen: Da unsere Schule im jährlichen nationalen Vergleich wiederholt überdurchschnittlich abgeschlossen hat, wird das Konzept der Operndorf-Schule im Rahmen einer geplanten Bildungsreform diskutiert. Denn die Schule zeigt nachweisbar weniger Fehlzeiten und Schulabbruch und erzeugt daher nachhaltig mehr Schulabschlüsse.

Ein Schwerpunkt der Projektarbeit des Operndorf Afrika ist es, Präventionsarbeit im Bereich Gesundheit zu leisten, das heißt, Schulungen in Dentalhygiene anzubieten, gleichzeitig aber auch Informationsveranstaltungen zur Familienplanung, Geburtsvorbereitung, Erkennung von Krankheiten, Ernährung und zu relevanten Impfungen. Die Vermeidung von Krankheiten bildet den Hauptfokus unserer Arbeit und reicht über die staatlich subventionierten und angebotenen Maßnahmen hinaus – diese Arbeit finanzieren wir durch Ihre Spenden.

Mit unserem 2011 etablierten Ernährungsprogramm in der Operndorf-Schule versuchen wir, aktiv gegen die Mangel- und Unterernährung der Kinder unserer Grundschule vorzugehen. Die Kosten für die Bewirtschaftung der Kantine werden von der Stiftung Operndorf Afrika getragen – denn das burkinische Bildungsministerium sieht in seinem Etat diese Betriebseinheit nicht vor. Das bedeutet, wenn wir in Deutschland Spenden für das Projekt sammeln, sammeln wir für 300 Mittagessen, die täglich zubereitet werden müssen – ein wichtiger Aspekt für das Wohlergehen und die Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes unserer Schulkinder. Es ist aber vor allem ein entscheidender Faktor für die Eltern, ihre Kinder überhaupt erst in die Schule zu schicken – wir sammeln also nicht nur für ein Mittagessen, sondern für das Recht eines jeden Kindes auf Bildung.

Wir haben derzeit zwei Projekte in Planung: ein Projekt zur Alphabetisierung Erwachsener und ein landwirtschaftliches Programm, das in Kooperation mit der Deutschen Welthungerhilfe erarbeitet wird. Beide Programme sollen voraussichtlich im Laufe des Jahres 2017 beginnen.

Im Rahmen der Erwachsenenbildung ist es uns wichtig, Teil einer breit angelegten Alphabetisierung Burkina Fasos zu sein – 80 Prozent der Bevölkerung um das Operndorf Afrika sind Analphabeten. Das Verständnis für die Wichtigkeit von Schulbildung und die Bereitschaft, die eigenen Kinder zur Schule zu schicken, steigt mit der gesamtgesellschaftlichen Alphabetisierungsrate – wir geben mit diesen Kursen also nicht allein den Erwachsenen eine Möglichkeit – wir ermöglichen damit auch den Kindern ein Recht auf Bildung.

Im Rahmen unserer ökologischen Verantwortung ist es uns auch wichtig im Bereich der Landwirtschaft tätig zu werden. Die Menschen kämpfen mit Dürre, mit Erosion ihrer Böden und Überschwemmungen; sie benötigen Strategien und Methoden für bessere landwirtschaftliche Erträge und den Schutz ihrer Böden. So können wir gemeinsam einen Baustein gegen Hungersnöte und Mangelernährung setzen.

Die Zukunft
für das Operndorf Afrika

Die Stiftung Operndorf Afrika wurde 2012 ins Leben gerufen mit dem Ziel, das Projekt nachhaltig und langfristig zu sichern. Um die Arbeit der Übernahme des Projektes durch das Land Burkina Faso zu unterstützen und zu ergänzen, arbeitet die Stiftung Operndorf Afrika am Erhalt und an der weiteren Ausarbeitung der hier beschriebenen Ziele und wird als Stiftung auch nach der vollständigen Übergabe des Projektes an das Land Burkina Faso unterstützend tätig sein.